Faire und nachhaltige Beschaffung

Logo: Fairtrade-StadtPolitik und Verwaltung der Stadt Groß-Umstadt befassen sich aktuell mit der Frage, was „die Stadt“ tun kann, um Aufträge für Produkte und Leistungen nach fairen sozialen und umweltbezogenen Standards zu vergeben. Hintergrund ist das Hessischen Vergabe- und Tariftreuegesetz, nach dem Kommunen die Möglichkeit haben, Aufträge nicht überwiegend „nur“ am Preis festzumachen, sondern nachhaltig einzukaufen - was natürlich auch im Privatleben und in jedem anderen Unternehmen eine wichtige Frage ist.

Stichworte wie „Kinderarbeit“, „Dumpinglöhne“, „Umweltschäden“ prägen die öffentliche Diskussion, Mikroplastik im Meer, unmenschliche Arbeitsbedingungen bei der Gewinnung von Rohstoffen und dergleichen mehr sollen berücksichtigt bzw. ausgeschlossen werden, zumal es immer mehr Anbieter von fairen und „sauberen“ Produkten gibt - in der IT, bei Büromaterial, Bekleidung, Werkstoffen, Fahrzeugen und natürlich auch Lebensmitteln, etwa für die Kitas. Hier ist die Stadt Groß-Umstadt als Fairtrade-Stadt mit einem sehr erfolgreichen Weltladen schon auf einem guten Weg. Bereits 1988 wurde beschlossen, kein Tropenholz mehr zu verbauen, 1994 gewann die Stadt den Brundlandtpreis (2. Platz) und beschäftigt seit dem einen Energiebeauftragten - alle städtischen Immobilien weisen inzwischen einen hohen Standard an Energieeffizienz aus, die Energielieferverträge wurden auf Ökostrom umgestellt.

Um zu diesem Thema neue Impulse zu bekommen und von anderen Städten zu lernen, war am 17. Januar Ann-Kathrin Voge zu Gast, die auf Einladung des städtischen Agenda-Büros aus Bonn angereist war und knapp 20 interessierten Zuhörern aufzeigen konnte, wie eine Kommune ihre Beschaffung erfolgreich umstellen kann. Frau Voge ist Projektleiterin Fairer Handel und Faire Beschaffung bei der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt / Engagement Global (https://skew.engagement-global.de), ihre Präsentation und weiterführende Links finden Sie hier.

Deutlich wurde im Vortrag und der Diskussion, dass eine flächendeckende Umsetzung nur dann realistisch ist, wenn der Mehraufwand für Beschafferinnen und Beschaffer gering bleibt und evtl. eine engere Zusammenarbeit zwischen Landratsamt und Kreiskommunen entsteht, was auch für die Bündelung des notwendigen Fachwissens gelten müsste. Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt berät und unterstützt Kommunen bei der Umsetzung dieser Aufgabe z.B. durch kostenlose Schulungen oder eine 2-jährige Förderung von Personalstellen mit bis zu 90%. Bis zu 350 Milliarden Euro im Jahr geben Bund, Länder und Kommunen für Beschaffungen aus. Damit hat die öffentliche Hand Einfluss auf Produktionsbedingungen und Marktstrukturen, in denen Sozialverträglichkeit und Umweltschutz bisher oft vernachlässigt werden.

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