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Sport hilft integrieren

In Groß-Umstadt haben knapp 400 Geflüchtete eine Bleibe gefunden, über 200 Ehrenamtliche kümmern sich um sie; Menschen, die sich über Deutschunterricht, ein Fahrrad, Second-hand-Bekleidung und einen freundlichen Nachbarn freuen aber eines nicht mehr haben: eine Heimat und ihren anvertrauten Kultur- und Freundeskreis. Zumeist sind sogar ganze Familien zerrissen, Kommunikation ist nur per Handy möglich und die Zukunft: mehr als ungewiss.

Landkreis, Kommune und engagierte BürgerInnen sind inzwischen gut aufgestellt und fangen die größten Nöte und Sorgen der Asylbewerber auf, die viel mehr Geduld und Anpassungsbereitschaft aufbringen müssen, als sie es je ahnten. Warten auf den „Titel“, das Bleiberecht, die Anerkennung oder gar den Abschiebebescheid?

Fast alle existenziellen Fragen werden die Geflüchteten für sich selbst beantworten müssen. Ihnen auf dem Weg in die Zukunft ein paar kleine Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sie an das Leben hier in Deutschland, in Groß-Umstadt, zu gewöhnen, ihnen Fremdes verständlich zu machen, ein wenig Vertrauen aufzubauen und Mut zu machen, gehört zu unserem menschlichen Selbstverständnis …
Dazu gehört auch, dass die Stadt alle Unterstützungsleistungen, die sie Geflüchteten ermöglicht, auch Einheimischen zukommen lässt. Wer dringend ein Kleidungsstück benötigt, kann es in der Kleiderkammer bekommen, wer an einem Sportkurs teilnehmen möchte, darf sich gerne anmelden, und wer sich kein Fahrrad leisten kann, darf, wie die Flüchtling auch, ein gespendetes bekommen. Groß-Umstadt begreift alle diese Angebote als soziale Aufgabe für die ganze Zivilgesellschaft.

„Dazugehören“ gelingt aber immer noch am ehesten, wenn man mit anderen Menschen Kontakt hat, sich kennenlernt und gemeinsam was Schönes erleben kann. Ein nicht unwesentlicher Baustein dabei ist der Sport. In großen Kampagnen fordert er RESPECT vor dem anderen, große Namen und Leistungsträger aus allen Winkeln der Welt gehören zum deutschen Sport, Weltmeisterschaften und die olympische Idee sind Garanten für das friedliche Miteinander.

In Groß-Umstadt setzt sich vor allem Andrea Zemke für diese Ziele ein, sie arbeitet geduldig und gegen manche Widerstände an genau diesem fairen Miteinander, das immer dann gelingen kann, wenn nicht zuerst die Frage der Herkunft und des WARUM gestellt wird, sondern man sich einfach begegnet und aufeinander einlässt. Trotz sehr bitterer Erfahrungen und neidgeschürter Vorwürfe, ja Bedrohungen, ist es ihr gelungen, zusammen mit dem beratungsNetzwerk hessen (www.haus-am-maiberg.de) Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen ans Groß-Umstädter Sportgeschehen heranzuführen.

Andrea Zemke war zunächst ehrenamtlicher Sport-Coach, seit Jahresbeginn ist sie mit ein paar Wochenstunden im Auftrag der Stadt Groß-Umstadt unterwegs. Sie ist Mitglied im Vorstand der Sportjugend Hessen, also mitverantwortlich für das Landesprogramm zur Integration im Sport. Als eine von 330 Sport-Coaches in den 426 hessischen Kommunen, ist sie in Groß-Umstadt aktiv und im neuen Büro der kommunalen Migrationsbeauftragten im JUZ bzw. per Mail und zu erreichen: andrea.zemke@gross-umstadt.org, oder sportcoach@gross-umstadt.org.

In Groß-Umstadt ist sie Ansprechpartnerin für alle, die Unterstützung und Hilfe benötigen aber auch für Vereine, die nicht so genau wissen, wie man mit den „Neuen“ umgeht: ob und welchen Beitrag man erhebt, wie man Trikots oder sonstiges Equipment beschafft oder ob man gar die Gemeinnützigkeit riskiert? Gerne nennt sie als gutes Beispiel die Spielvereinigung, die schlicht gebeten hatte „schickt mir Leute“, dann hat man eine Gruppe gebildet und mit dem Training begonnen. Vereine haben längst gelernt, Ausrüstung auszutauschen oder Secondhand-Trikots zur Verfügung zu stellen.

Sehr eindrücklich war das Ergebnis einer Befragung, welchen Sport sich die Geflüchteten wünschten: die allermeisten wollen schwimmen lernen … So konnten dank großer Unterstützung durch die Bürgerstiftung bereits 2015 und 2016 mehrere Anfängerkurse durchgeführt werden, am Ende konnten alle TeilnehmerInnen schwimmen und das in hier üblicher Badekleidung …

Weitere Schwimmkurse sind geplant, kurz vor dem Start ist eine Schulung zur Verkehrserziehung für alle, die sich beim Radfahren unsicher fühlen - Gespräche mit der Verkehrswacht laufen, die Bedeutung von Schildern und Grundbegriffen im Straßenverkehr vermittelt der ehrenamtliche Deutschunterricht. Fürs nächste Jahr ist schon ein internationaler/integrativer Stadtlauf angedacht, der in Kooperation mit dem DLV evtl. im Okt. 2018 stattfinden könnte.

Fazit: Mit ein paar Stunden Sport pro Woche gelingt Integration und Teilhabe sehr gut und schnell, auch für 2018 ist mit der Landesförderung zu rechnen. Geld, das ausgegeben wird für die Schulung der Sport-Coaches, fürs Qualitätsmanagement, für die Kommunen, die Sport-Coaches einsetzen, und vieles mehr. In Groß-Umstadt ist das meiste erfolgreich auf den Weg gebracht, manches auch im Sande verlaufen … auch, weil kurzfristige Umzüge der Geflüchteten die Ansprache, Adressierung und Kontinuität erschweren, manche Menschen sind von jetzt auf gleich einfach weg. Das alles kostet viel Zeit und Ressourcen, mitunter kommen die unterschiedlichen Wissensstände bei Landkreis, Kommune und Ehrenamtlichen nicht dort an, wo sie gebraucht würden.