Handwerklich begabte Ersatzoma

Ilona Becker hat 18 Jahre in der städtischen Kindertageseinrichtung KIZ Pestalozzischule in Groß-Umstadt gearbeitet, nun ist sie in Rente - und beim Abschied war nicht immer klar, ob die Tränen Rührung oder Freude bedeuteten. Denn am Nachmittag des 30.04. hieß es einerseits „Willkommen im Bistro“, andererseits „Tschüss und auf Wiedersehen“.

Yven Leschke hatte die ehrenvolle Aufgabe „seine“ Erzieherin in den Raum zu bitten, in dem sich alle Nachmittagskinder, die Erzieherinnen, Kolleginnen der Verwaltung und der Erste Stadtrat bereits versammelt hatten. Zunächst begrüßte die Kita-Leiterin, Elke Kaiser-Lammers, die Neu-Rentnerin und zeichnete ein sehr liebevolles Bild der langjährigen Kollegin: mit Leib und Seele für die Kinder da, für manche Ersatzoma und Trösterin, ausgestattet mit enormer Fingerfertigkeit. Immer wieder habe sie gewerkelt, gebastelt, gestaltet, die Kinder mit handwerklichem Geschick zum Tun motiviert, Dekorationen entworfen und beim Schminken brilliert. Ilona Becker habe stets Zeit und Kraft für die Kinder gehabt, werde als Mensch und dank ihrer Talente deutliche Spuren hinterlassen, und allen sei klar: Obwohl sie nun weggehe, irgendwie bleibe sie auch Teil der Kita. Verbunden mit allen guten Wünschen für die eigene Familie und die Enkel überreichten ihr die Kolleginnen ein Geschenk und die Kinder stimmten ein erstes Lied an: „Ich mag die Loni“.

Den offiziellen Teil übernahm dann Erster Stadtrat Alois Macht, der der langjährigen Mitarbeiterin für ihren engagierten Einsatz dankte. Sie habe 1973 ihre Ausbildung zur staatlichen geprüften Kinderpflegerin abgeschlossen, sei dann bis 2001 als Erzieherin bei der Stadt Mörfelden-Walldorf beschäftigt gewesen und seitdem als Erzieherin im KIZ Pestalozzischule. Das Arbeitsverhältnis ende zwar offiziell am 01.05.2019, auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung werde sie aber bis 31.07.2019 noch 1 x pro Woche im KIZ aushelfen - ein langsamer Abschied also für alle Beteiligten. Herr Macht übermittelte die besten Grüße und Wünsche von Bürgermeister Joachim Ruppert und überreichte das Präsent des Magistrates.

Rasch kam neue Bewegung in den Raum, als sich die Kinder mit Pinseln, papierenen Backsteinen, Tapetenrollen, etc. rund um Frau Becker versammelten und ihr als fingerfertiger Handwerkerin das Lied „Wer will die fleißige Loni sehen“ vortrugen und ihr dabei all die nützlichen Gegenstände überreichten. Und damit nicht genug, alle Kinder hatten Marte-Meo-Karten vorbereitet und individuelle Wünsche und Danksagungen aufgeschrieben. Die darf Frau Becker zu Hause in aller Stille lesen und sich so an jedes „ihrer“ Kinder erinnern. Nachdem sie dann eine bunte Girlande „auf dem Weg zur Rente“ durchschnitten hatte, durfte sie auf einem Campingstuhl Platz nehmen und sich bequem zur Ruhe setzen …

Jetzt war es an den Mitarbeiterinnen der Verwaltung, von Personalrat und Gleichstellungsbeauftragter, sich bei der Kollegin zu bedanken und kleine Geschenke zu überreichen. Die Kinder schwärmten herbei und überreichten je eine frische Tulpe und nach dem Lied: „Mit 63 Jahren fängt das Leben an“, gabs Kaffee und Kuchen für alle und die fröhlich-lebendige Verabschiedung klang langsam aus.