Kommunales Handlungsprogramm - 2

Logo: Lokale AgendaNicht überall bekannt, aber doch weitverbreitet ist in den Groß-Umstädter Stadtteilen die Idee der Lokalen Agenda 21, zumal seit 20 Jahren viele Mitbürgerinnen und Mitbürger dran mitgewirkt haben bzw. heute die Früchte früherer Aktivitäten ernten - beispielhaft vorgeführt am 19.10.2019 beim Richer „Backes-Fest“.

So wurden ehemalige Rat-, Schul- und Backhäuser bei enormer Eigenleistung saniert und wiederbelebt, Erzählcafés gegründet, Wanderwege angelegt, Pflegearbeiten in den Stadtteilen übernommen, eine Äppelallee gepflanzt, Obstbaumschnittkurse veranstaltet, Kulturvereine gegründet und Vortrags-/Veranstaltungen initiiert. Zahlreiche Arbeitskreise haben sich den Fragen der Verkehrsführung, des Trinkwasserschutzes und der Landwirtschaft angenommen, den Weltladen und die Solidarische Landwirtschaft hat das Agenda-Büro im Rathaus in der Gründungsphase unterstützt und immer standen Bürgerbeteiligung und -engagement im Fokus bei der Umsetzung guter Ideen.

Denn: Die Lokale Agenda 21 steht für die Umsetzung des Prinzips der Nachhaltigkeit (Sustainable Development) in Kommunen und ist ein Teil der Agenda 21, dem globalen Aktionsprogramm von Rio. 1992 unterschrieben dort 170 Staaten eine Vereinbarung, die Regierungen und Konzerne, aber eben auch Kommunen und Bürger dazu auffordert, den Lebensstil so zu gestalten, dass auch künftige Generationen in den Genuss jener Lebensbedingungen kommen, die wir als selbstverständlich ansehen. Die Stadtverordnetenversammlung hat das Dokument am 16.11.2001 einstimmig beschlossen, es ist auf der Website der Stadt in seiner durch einen Nachtrag vollständigen Version nachzulesen unter: http://gross-umstadt.de/sites/default/files/dateien/khp-endfassung_2005.pdf.

In einem ersten Teil hatte die Stadt Leitbilder aus den Handlungsfeldern Lebensqualität und Ökologie veröffentlicht, weitere Themen sind:

Müll - Abfall

Die BürgerInnen Groß-Umstadts vermeiden weitgehend Abfall. Abfallstoffe werden technisch oder in natürlichen Kreisläufen wieder verwertet. Nicht verwertbarer Restmüll wird ohne Schaden für die Umwelt entsorgt.

Siedlungsentwicklung

Grundsätzlich soll zwischen Kernstadt und Stadtteilen nach deren typischen gewachsenen Eigenarten unterschieden werden. Angestrebt wird eine gute Lebensqualität und zukunftsorientierte mitwachsende Infrastruktur. Dabei ist ein maßvoller, ökologisch verträglicher Umgang mit all unseren Ressourcen (Wasser, Boden, Luft) Maßstab. Landwirtschaftlich wertvolle Flächen sollen geschont werden. Vorhandene dörfliche und kleinstädtische Strukturen sind dabei zu berücksichtigen. Hieraus erfolgt eine moderate, an zu definierenden Bedarfskriterien ausgerichtete Entwicklung. Die Bürgerinnen und Bürger sollen als Öffentlichkeit vor den politischen Entscheidungen beteiligt werden.

Verkehr / Mobilität

Die zukünftige Verkehrsentwicklung in Groß-Umstadt muss nachhaltig im Sinne des Agenda-Gedankens gestaltet werden. Notwendig ist hierzu die Balance zu finden im Spannungsfeld zwischen der Gewährleistung ausreichender Mobilität bei gleichzeitiger Erhaltung einer lebenswerten Umwelt. Hierzu sind erforderlich:

  • ein verbessertes Angebot an attraktiven öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. umweltfreundlichen Individual-Verkehrsmitteln.
  • bewussterer und kritischerer Umgang mit den motorisierten Verkehrsmitteln.
  • Verkehrsvermeidung auf Grund langfristiger, vorausschauender Stadtplanung im Bereich Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Schule, Freizeit.
  • Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Kindern, Behinderten und alten Menschen.

Frauen

Der Arbeitskreis „Frauen“ strebt im Rahmen des Agenda-Prozesses einen dauerhaften und sich weiterentwickelnden, zukunftsorientierten Zustand in Groß-Umstadt und seinen Stadtteilen einen Zustand an:

  • in dem Frauen angemessen an der kommunalen Willensbildung und in der Verwaltung beteiligt sind.
  • in dem berufstätige Frauen, Frauen aus Familienarbeit und Kindererziehung angemessen berücksichtigt werden.
  • in dem die Sicht von Frauen in Hinblick auf Nachhaltigkeit, Erwerbs- und Versorgungsarbeit, Bildung, Gemeinwesen, Stadtplanung, Mobilität und Infrastruktur, Umweltschutz, Gesundheitswesen, Kultur, ... thematisiert und mit den Frauen zusammen zu einem tragfähigen Kompromiss geführt werden.

Kinder und Jugend

Jeglichem Streben nach Verwirklichung von Wünschen liegen bewusst oder unbewusst Wertvorstellungen zu Grunde. Denn jeder Wunsch fußt auf einem - idealer Weise bewussten - Ziel. Der Frage nach Grundwerten und den daraus abgeleiteten Verhaltens- und Beurteilungsnormen kann sich insbesondere jede Form der Kinder- und Jugendarbeit nicht entziehen.

Naturgemäß fällt Erwachsenen hierbei insoweit ein Mehr an Verantwortung zu, als sie auf Grund biologischer Gegebenheiten eine Vorbildfunktion innehaben. Wünsche der Eltern an das Verhalten der Kinder müssen stets einhergehen mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übertragen, ohne deshalb jedoch Verantwortung abzuschieben. Eine Besonderheit von Kinder- und Jugendarbeit besteht darin, einerseits Werte zu stiften, die es andererseits ermöglichen, sich selbst in Frage stellen zu lassen. Ein Leitbild für Kinder- und Jugendarbeit entsteht im Spannungsfeld der Generationen: Jugendliche wünschen sich die Erwachsenen jugendlicher, Erwachsene wünschen sich Jugendliche erwachsener.

Vereine

Vereine und Gruppierungen sind auch Träger und Gestalter des kulturellen und sportlichen Lebens der Stadt, dienen dem Gemeinwohl und der Selbstverwirklichung der Bürgerinnen und Bürger und der Völkerverständigung. Die Stadt anerkennt diese Leistung in den Bereichen Kultur, Sport, Bildung und Freizeit und verpflichtet sich, die Vereinsvielfalt zu erhalten, indem sie die Rahmenbedingungen dafür bereitstellt. Auch fördert die Stadt das Ehrenamt und bietet den Vereinen und Gruppen im Rahmen des Kulturprogramms eine geeignete Plattform. Zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung werden für die Vereine und Gruppen Beteiligungsstrukturen aufgebaut. Die Vereine und Gruppen können dafür Beauftragte benennen. Das Ehrenamt soll erhalten bleiben und Spaß machen. Die Zusammenarbeit unter den Vereinen und Gruppen soll verstärkt, Konkurrenz und ein Überangebot an Veranstaltungen vermieden werden. Die Vereine und Gruppierungen sollten vereins- und spartenübergreifend arbeiten und die Jugend in allen Belangen integrieren.

Wirtschaft in Groß-Umstadt

  • ist attraktiv, vielfältig und bedarfsorientiert für Unternehmen, Bürger und Besucher.
  • ist nachhaltig und offen für Ideen, Entwicklungen und Neuerungen.
  • ist ein sicherer Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität und damit beispielgebend in der Region.

Arbeitskreis Integration und Kommunikation

Jede Person kann unabhängig von ihrem Alter, ihrer Nationalität, ihrem Gesundheitszustand, ihrer Herkunft, ihrer Religionszugehörigkeit, ihrem Geschlecht und ihrer politischen Gesinnung frei von körperlicher und seelischer Bedrohung in einem gut nachbarschaftlichen Verhältnis in Groß-Umstadt leben. Dazu kommen die verschiedenen Personengruppen miteinander im Gespräch und erhalten dieses aufrecht.