Rattenbekämpfung - neu organisiert

Neu aufgesetzt hat die Stadt Groß-Umstadt die Rattenbekämpfung im öffentlichen Raum, also im 130 km langen Kanalnetz. Ein Mitarbeiter von der Kläranlage der Stadt wurde ausgebildet, eine neue Generation von Köderboxen beschafft und eingesetzt. Sollte sich diese Methode bewähren, werden weitere Boxen gekauft und dann gezielt und professionell platziert.

Das Bild zeigt eine der neuen Köderboxen, platziert und verkeilt in einem Kanalschacht. Sie kann dort ange-bracht und bestückt werden, ohne dass der Mitarbeiter in den Schacht hinein muss. Ein kleiner Sensor zählt die „Besucher“, die zunächst mit einem giftfreien Köder angelockt werden, und erst wenn sich dort mehrere Tiere immer wieder einstellen, dann werden Giftköder ausgelegt - die übrigens erst nach einigen Tagen wirken, damit die schnell lernenden Tiere den Fressplatz nicht als „vergiftet“ in Erinnerung behalten. Ein Tablet-PC macht das Auslesen der Daten und somit eine für die Umwelt und die Belegschaft sichere Arbeitsweise möglich.

Bei einem Ortstermin auf der Kläranlage erläuterte Marcel Weihert, zertifizierter „Sachkundiger in der Bekämpfung von Ratten in der Kanalisation“, dass die Stadt in den zurückliegenden Jahren zweimal jährlich eine Firma beauftragt habe, Köder auszulegen und die Bevölkerung aufzurufen, sich an der Bekämpfung auf privatem Grund mit dem Erwerb von Ködern zu beteiligen. Das sei aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr möglich, denn die ausgelegten Köder hätten ihr ganzes Gift ans Abwasser bzw. ans Oberflächenwasser abgegeben, was mitunter mehr Umweltschäden verursacht habe als Nutzen bei der Rattenbekämpfung. Neue Gesetze und Verordnungen erforderten nun andere Methoden. Die Stadt habe entschieden, eigene Mitarbeiter zu qualifizieren und sich um die Köderboxen im Kanal selbst zu kümmern. Die dürfen zum einen nur eingesetzt werden, wenn nachweisbar Rattenbefall registriert wird und sie sind so konstruiert, dass sie selbst bei überflutendem Kanal das ausgelegte Gift nicht ausschwemmen, sondern in einer wasserdichten Kapsel konservieren.

„Ratten“, so Weihert, „gehören in diese Welt, sie ausrotten zu wollen ist unnötig und unmöglich, im Schnitt gibt es so viele Ratten in einer Stadt wie es Einwohner gibt.“ Erst wenn es mehr werden, diese über ihre Lebensräume hinaus eine Gefahr bedeuten, dann ist von einer Plage zu reden und die Bekämpfung dringend angesagt.“ Unser Ziel ist es also, die Bestände mit den neuen Köderboxen im Zaume zu halten, wozu alle Bürgerinnen und Bürger einen erheblichen Teil beitragen können und sollten.

Denn solange Lebensmittelreste ins WC gespült werden, solange finden die Tiere einen reich gedeckten Tisch im Untergrund einer jeden Stadt, solange Lebensmittel auf Komposthaufen landen oder Gelbe Säcke mit Lebensmittelresten draußen stehen, macht man den Tieren das Leben leicht, statt sie sich vom Halse zu halten. Und wenn dann noch heiße Sommer wie 2018 und 2019 die Vermehrungsraten steigern, dann haben wir alle viel Aufwand und Kosten, der Überpopulation Herr zu werden.“

Die Stadt wird sich also mit neuem Knowhow und neuer Technik der Rattenbekämpfung stellen. Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mal Ratten auf dem Grundstück beobachtet, sollte als Mieter den Eigentümer informieren, der wiederum benachrichtigt das Ordnungsamt bzw. beauftragt einen Kammerjäger, denn der Umgang mit Gift sollte immer Sache von Fachleuten sein, zumal die handelsüblichen Mittel selten die Wirkung entfalten, die sie versprechen. Kurzvideo zur bisherigen und zur neuen Wirkungsweise, Information der Landesregierung.

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