Turmuhr zeigt wieder die Zeit an

Die Zeiger der Turmuhr auf dem Gebäude der ehemaligen Pestalozzischule in Groß-Umstadt - heute Kinderbetreuungseinrichtung der Stadt - drehen sich wieder, und wer den Blick nach oben riskiert, sieht, was die Zeit geschlagen hat. Die historische Ritzert-Uhr wurde mit digitalem Uhrwerk lauffähig gemacht und „tickt“ nun funkgesteuert auf die Sekunde genau. Das alte Uhrwerk verbleibt erst einmal unrestauriert im Turm.

Seit vielen Jahren war das Räderwerk defekt, nun hat die Stadt knapp 3000 Euro in die Hand genommen und von einer renommierten Spezialfirma einen modernen Motor einbauen lassen. Nun muss niemand mehr die Gewichte per Hand ziehen, die Anlage ist wartungsarm und zumindest nach außen ist es ganz die alte, denn Ziffernblatt und Zeiger blieben erhalten.

Bereits 1863 begann die Uhrmacherfamilie Ritzert in Groß-Umstadt mit der Herstellung von Turmuhren, die hauptsächlich auf Rathäusern und Kirchtürmen Platz fanden. Die Werkstatt lag im Hinterhof des heutigen Anwesens Carlo-Mierendorff-Straße 3 (bis Ende 1990 - heute im Hessenpark zu besichtigen). 1874 wurde Johannes Ritzert durch Ludwig IV., Großherzog von Hessen und bei Rhein, zum Hof-Turmuhrmacher ernannt, was am herzoglichen Wappen an der Straßenfront seines Wohnhauses erkennbar war. Seine Söhne blieben der Uhrmacherei größtenteils treu, bis 1915 sollen über 120 Turmuhren hergestellt worden sein. Ein funktionsfähiges Uhrwerk ist im Umstädter Gruberhof-Museum ausgestellt.