Streuobstwiesen

Über Jahrhunderte hinweg gehörten Streuobstwiesen zu den prägenden Elementen der meisten Mittelgebirgslandschaften. Sie markierten die Ortsränder und boten in der freien Landschaft Nutzen für Obstanbau und als Grün- bzw. Weideland. Angelegt von Menschenhand, bedürfen die nach §31 HeNatG geschützten Biotope der stetigen Pflege (Baumschnitt, Wiesenmahd) und Erneuerung (Neu- bzw. Ersatzpflanzung).

Streuobstwiesen beherbergen - ganz im Gegensatz zu intensivem Obstbau mit Niedrigstämmen und Monokulturen - hochstämmige Obstbäume (mind. 1,80 m) in lockerer und weitläufiger Anpflanzung. Die Fläche auf dem „Raibacher Buschel“ umfasst rund 10 ha mit ca. 1000 Obstbäumen, Hecken und Wiesenstreifen. Apfelbäume dominieren, darunter viele alte Sorten wie Gravensteiner, Geheimrat Oldenburg, Freiherr von Berlepsch, Goldparmäne, Kaiser Wilhelm, Boskoop, Winterrambour und Zuccalmaglio Renette. Aber auch Birn-, Zwetschgen- und Mirabellenbäume sind zu finden. In den Rainen wachsen Haselnuss, Holunder, Schlehe, Liguster, Hartriegel, Heckenrose und Pfaffenhütchen. Vogelkirschen, Nussbäume, Hainbuchen und Stieleichen ragen darüber hinaus.

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Biotopen und sind mit etwa 5.000 Tier- und Pflanzenarten als wichtige Ersatzbiotope und letzte Rückzugsgebiete von überragender Bedeutung. Ins morsche Holz haben Spechte Höhlen gezimmert, in den Kronen finden Meisen und Grasmücken Raupen und Insekten, aus den Hecken und dem nahen Wald kommen Amseln, Stare, Sing- und Misteldrosseln und suchen nach Würmern und Schnecken.

Förderverein Odenwälder Apfel e.V.

Die Kulturgeschichte des Obstbaus - Quelle: Streuobst Mainfranken

Faltblatt Streuobstwiesen

 

Perspektiven

Die Bäume werden immer älter, für die Nachhaltigkeit fehlen junge und mittelalte Bäumen. Der Bestand leidet unter mangelnder Pflege, Neupflanzungen unterbleiben oft. Die Ausweisung neuer Baugebiete, die Umwidmung in Freizeitgrundstücke und die Rodung der als unwirtschaftlich angesehenen Streuobstwiesen reduzieren ebenfalls den Bestand.

Arbeitskreis „Ökologischer Landbau“

Im Bereich der Lokalen Agenda 21 Groß-Umstadt hat sich ein Arbeitskreis „Ökologischer Landbau“ gebildet, der sich mit den Fragestellungen zu ökologischem Landbau beschäftigt, sich eigene Kompetenz erarbeitet, die Öffentlichkeit informiert, Projekte anregt und Fachleute und Multiplikatoren einbindet. Der Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern von BUND, NABU, Forst- und Landwirtschaft zusammen, ist jedoch offen für alle interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ziel des Arbeitskreises ist es, für die gefährdeten Streuobstwiesen Lösungen zu erarbeiten, um den Bestand zu erhalten und qualitativ zu verbessern. Dazu gehört auch, die Öffentlichkeits- und Jugendarbeit auszubauen und die jüngere Generation verstärkt anzusprechen.

Lösungsansätze

Geeignete Möglichkeiten, die Situation langfristig zu verbessern sind ...

  • Baumpatenschaften nach dem Prinzip „Pflege gegen Ernte“.
  • Aufbau einer Streuobstwiesenbörse in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, um das Zusammenführen der Interessen von Eigentümern und potentiellen Pächtern zu vereinfachen.
  • Praktische Unterstützung der Bewirtschafter unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“, z.B. durch Schnittkurse.
  • Überalterung durch regelmäßiges Nachpflanzen verhindern.

Apfelsaft aus Groß-Umstadt

Der Groß-Umstädter Apfelsaft trägt zur Erhaltung der Streuobstwiesen bei. Es ist ein regionales Produkt aus nachhaltigem ökologischem Landbau (ohne Pestizide, ohne Mineraldünger). Örtliche Verkaufsstellen:

  • Getränke Freimuth, Groß-Umstadt
  • Demeter Obsthof Michel, Otzberg

Unterstützen Sie unser Projekt! Kaufen Sie Apfelsaft und andere Produkte von unseren Streuobstwiesen! Beteiligen Sie sich an der jährlichen Hochstamm-Pflanzaktion des NABU!

Stadtverwaltung - Agenda-Büro

Reiner Michaelis
Tel. 06078 781277
Mail

 

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